Adler Herbst 2026
Filmpremiere: «Was ich noch sagen wollte»
Mit «Was ich noch sagen wollte» bringt die Altdorfer Theatergruppe «Fremd sein» ihre bisher grösste Produktion ins Kino. Migrantinnen und Migranten erzählen von Herkunft, Aufbruch und Ankommen; Einheimische greifen ihre Geschichten in Spielszenen auf. Entstanden ist ein 80minütiger Film über Rollen, die das Leben verteilt – und darüber, was Menschen daraus machen.
Es ist vor allem Glück, dass wir in der Schweiz auf die Welt kamen. Ein paar tausend Kilometer weiter südlich oder östlich geboren, und unser Leben und unsere Rolle wäre eine völlig andere. – Genau mit diesem Gedanken spielt «Was ich noch sagen wollte?!». Der Film erzählt nicht abstrakt von «Migration», sondern lässt Menschen sprechen. Semira Varli aus Kurdistan etwa, die sich politisch engagiert hat und für Frauenrechte einsteht und dafür sogar im Gefängnis sass. Rinojy Baskaran, die zwischen tamilischer Tradition und HipHop ihren Weg gefunden hat. Oder Tesfalem Yehdego aus dem krisengeplaten Eritrea, der eine Lehre als Recyclingfachmann abgeschlossen hat und heute in Emmen arbeitet.
Fünf Porträts bilden das Herzstück des Films, der der unerschöpflichen Fantasie und Schaffenskraft von Lory Schranz entspringt. Den Protagonistinnen und Protagonisten stand jeweils eine Mentorin oder ein Mentor zur Seite – darunter Regula Waldmeier, Hubert Lauener, Maja Zgraggen Kummer, Magdalena Zurfluh und Lory Schranz. Gemeinsam wurden Erinnerungen sortiert, Geschichten notiert und Szenen entwickelt. Die Mitglieder der Theatergruppe «Fremd sein» verwandeln diese Erlebnisse in kleine Spielszenen: mal humorvoll, mal leise, mal schmerzhaft.
Die Theatergruppe «Fremd sein»
Die Theatergruppe gibt es seit 2019. Migrantinnen, Migranten und Einheimische spielen zusammen Theater und treffen sich längst auch ausserhalb der Proben. «Wir sind eine grosse Familie», sagte Lory Schranz schon bei der letzten Bühnenproduktion. Wo jemand Halt braucht, versucht die Gruppe aufzufangen; wo etwas zu feiern ist, wird gemeinsam gefeiert.
Dass daraus nun ein Film geworden ist, war keineswegs selbstverständlich. Schranz ist Theaterpädagogin, keine Filmemacherin. Als die Idee aufkam, habe sie zuerst gedacht: «Gahds nu?» Die Arbeit für einen Film ist monströs. Dann machte sie es trotzdem, denn die Theatergruppe war voll dabei. Anderthalb Jahre dauerte die Arbeit. Gedreht wurde bewusst in Uri, an Orten, die den Porträtierten etwas bedeuten.
Entscheidend war auch Michael Schranz. Lory Schranz' Sohn brachte sein Wissen aus Medienarbeit und Schulprojekten ein, übernahm die Bildregie und arbeitete am Schnitt mit. Natürlich: Mutter und Sohn waren nicht immer gleicher Meinung. Man legte Pausen ein, schaute das Material nochmals an – und fand sich wieder. Den Titelsong schrieb Michael Schranz ebenfalls. Schon 2022 sagte er, die Geschichten relativierten die eigenen «ErsteWeltProbleme». Paul und Felix Gisler spielten die Filmmusik ein. Drei Geschwister aus Sri Lanka, die in Uri geboren wurden, hier ihre Ausbildung machten und arbeiten, halfen bei der Produktion mit. Kirusanth und Kowsanth Kirushnamoorthy führten Kamera, Kirushajini Kirushamoorthy übernahm die Regieassistenz.
Mitten in der Filmproduktion): Michael Schranz (Regie), Kamerateam Kowsanth und Kirusanth Kirushnamoorthy und Kirushajini Kirushamoorthy (Regieassiszenz).
Lory Schranz prägt die Urner Theaterlandschaft seit Jahrzehnten. 1986 gründete sie die Märlibühne Altdorf, später folgte «Eigägwächs». 2017 erhielt sie als erste Frau den Goldenen Uristier. Vielleicht ist das die stärkste Idee des Films: Rollen lassen sich tauschen. Herkunft nicht. Niemand sucht sich aus, ob er in Altdorf, Asmara oder Kiew geboren wird. Entscheidend ist, was danach entsteht – aus Mut, Begegnungen und Arbeit und manchmal schlicht aus der Hand, die jemand reicht.
«Was ich noch sagen wollte» feiert nicht das Exotische, sondern das Menschsein: mit Geschichten, die verschieden beginnen und sich hier in Uri kreuzen. Die Vorpremiere findet am 24. Oktober im Winkel statt, die Premiere am 25. Oktober im Cinema Leuzinger.
Was ich noch sagen wollte
Ein Dokumentarfilm von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Ab 25. Oktober 2026 im Kino.